Auch die „Jungle World“ setzt sich inzwischen mit der zurzeit vehement geführten Debatte um die dezentrale Unterbringung der hier lebenden AsylbewerberInnen auseinander:
WeiterlesenDas Vorhaben, Flüchtlinge dezentral in unterschiedlichen Stadtteilen unterzubringen, entfacht in Leipzig den Volkszorn.
Der Wahn, die eigene Stadt für eine Metropole zu halten, und kleinstädtische Verbohrtheit lagen in Leipzig schon immer nah beieinander. So scheiterte Leipzig 2004 mit seiner Bewerbung für die Olympischen Spiele 2012. Angesichts der seit einigen Wochen äußerst erbittert geführten Debatte über die Unterbringung von Flüchtlingen sollten die gescheiterten Weltstädter aber froh sein, dass die Olympiade nun nicht in Sachsen stattfindet, sonst würde die Provinzialität der sich stets weltoffen gebenden Messestadt international von sich reden machen.
Wegen der Pläne, Asylsuchende ab 2013 nicht mehr zentral in einem baufälligen Heim im Gewerbegebiet am Stadtrand unterzubringen, sondern dezentral in sieben verschiedenen Unterkünften, sind zahlreiche Bürger entrüstet. Die Flüchtlinge sind unerwünscht, gleichgültig wo. Die zukünftigen Anwohner der Unterkünfte fühlen sich bevormundet und nicht ernst genommen, sie gründen Bürgerinitiativen und setzen sich an Runden Tischen zusammen. Bei einer Diskussionsveranstaltung im »Freizeittreff Völkerfreundschaft« in Grünau, die vor etwa einem Monat stattfand, rüttelten erzürnte Bürger an der Eingangstür und riefen: »Wir sind das Volk!«
