Unpolitisch sein heißt: Politisch sein, ohne es zu merken.“ – Rosa Luxemburg

Wir, Red & Anarchist Skinheads Leipzig, verstehen uns als Zusammenschluss linker Skinheads und als solcher als Teil eines sich international erspannenden Netzwerkes. Unser Hauptaugenmerk gilt hierbei der (kultur)politischen Auseinandersetzung inner- wie außerhalb der Skinheadszene vermittels der Organisation von Konzerten, Nightern, Vorträgen und anderweitigen Veranstaltungen auf Grundlage des D.I.Y.-Prinzips.

“If you won‘t face reality, you‘re sleeping with the enemy.” – The Oppressed
Für uns erschöpft sich das Skinhead-Dasein nicht am auf den nicht-weißen Wurzeln der Subkultur fußenden Antirassismus, welcher oftmals ohnehin nur noch als Feigenblatt fern jedes gelebten Anspruches fungiert. Vielmehr gilt es sich gegen eine Gesellschaftsform, die tagtäglich Rassismen und andere Widerlichkeiten zugunsten der Profiteure derselbigen (re)produziert, zu positionieren. Eine Szene wiederum, die sich zwar allzu gern als renitent inszeniert und mit dem Bild des (vermeintlich) Rebellischen kokettiert, aber in weiten Teilen doch nicht über konservative Stammtischparolen hinauszukommen vermag, ist weit davon entfernt ebenjene Verhältnisse überhaupt infrage zu stellen – stattdessen hilft ein solcher Gestus die ganze Scheiße ungehindert am Laufen zu halten. Unter dem Deckmäntelchen des angeblich „Unpolitischen“ eröffnen sich indes rechte Erlebniswelten, innerhalb derer problemlos antifaschistische Mindeststandards unterlaufen werden können. Wir fordern daher eine klare Stellung gegenüber rechten wie rechtsoffenen – sprich jeglichen reaktionären – Positionen zu beziehen, als auch damit einhergehend einen konsequenten Antifaschismus zur Praxis zu machen und indifferentem Wischiwaschi keinerlei Raum zu geben – im Mikrokosmos Skinheadszene und darüber hinaus.

„Die Geschichte aller bisherigen Gesellschaft ist die Geschichte von Klassenkämpfen.“ – Karl Marx
Weiterhin ist es in unseren Augen widersinnig sich unentwegt auf die Ursprünge der Subkultur aus der englischen Arbeiter*innenklasse und einen daraus resultierenden Stolz zu berufen und hierdurch implizit ein Klassenbewusstsein zu artikulieren, dieses durch und durch politische Statement jedoch in der Konsequenz zu nichts als entpolitisierter Folklore verkommen zu lassen. Anstelle eines bewussten Klassenstandpunktes folgt daraus nur diffuses Phrasengedresche zur „Working Class“ oder wahlweise zum Proletariat, bei welchem sich der darin zum Ausdruck kommende Stolz einzig darin zu begründen scheint über ein (möglichst gesichertes) Arbeitsverhältnis zu verfügen und sich in bester neoliberaler Manier über dieses Ausbeutungsverhältnis zu definieren, währenddessen die beständig prekärer werdende Lage ebenjener „Working Class“, also der Lohnarbeiter*innen und Erwerbslosen, ebenso wie den häufig unbezahlten Care-Arbeiter*innen, nicht von Belang ist. Wer aber vom Klassenkampf nicht reden will, sollte auch zur „Working Class“ schweigen.

„Keep on keepin’ on ’till the fight is won!“ – The Redskins
Eine Gesellschaft, in der demolierte Filialenscheiben und brennende Mülltonnen in der öffentlichen Wahrnehmung eine größere Empörung hervorzurufen vermögen als beispielhaft die Kontinuität rechten Terrors in diesem Land sowie das nicht enden wollende Sterben an Europas Außengrenzen, in welcher der Mensch aufgrund seiner ökonomischen Verwertungsmöglichkeiten wie auch seiner Herkunft selektiert und gegebenenfalls illegalisiert wird, in der Uniformen und Unterwürfigkeit den Weg zur Willkür ebnen, wo Freiheit der geglaubten Sicherheit weichen muss und über all dem das Primat des wirtschaftlichen Wachstums als unhinterfragbare herrschende Ideologie thront, gehört auf den Müllhaufen der Geschichte. Allen Abgrenzungstendenzen zum Trotz sind Subkulturen schlussendlich aber auch ein Teil ebendieser kaputten Gesellschaft mitsamt der ihr innewohnenden Mechanismen. Daher erachten wir es als wichtig nicht der Illusion womöglich idyllischer und fern dieser Realität existierender Szeneghettos zu verfallen. Vielmehr gilt es Gegenkultur inmitten dieser Gesellschaft aufzubauen, um die kulturelle Hegemonie, ergo Definitionsmacht in Zeiten des florierenden „Deutschrocks“ und sonstiger geistiger Magerkost nicht all jenen zu überlassen, die Skinhead, aber auch ganz allgemein die Art und Weise der Beschaffenheit unseres Zusammenlebens nur von der Wand bis zur Tapete denken. Wer dies nun mithilfe der (wissenschaftlich ohnehin äußerst mageren) Extremismustheorie, respektive platter „Good night any side“-Rhetorik zu diskreditieren gedenkt, hat sich mit den herrschenden Verhältnissen im Übrigen längst arrangiert und ist eher Teil des Problems, denn dessen Lösung. Dies ist eben noch nicht das mantraartig beschworene „Ende der Geschichte“.
Darum möchten wir (nicht nur) innerhalb der Skinheadszene einen Raum für emanzipatorische Vorstellungen des kollektiven Zusammenlebens schaffen und erproben. Speziell für die von einem patriarchalen Männlichkeitskult durchdrungene Skinheadszene bedeutet dies in der Praxis auch, dass sexistische, antifeministische, homo- und transphobe Einstellungen keine Plattform erhalten. Wir treten hingegen für die von der kapitalistischen Elendsverwaltung wie auch dem Joch des Patriarchats befreite Gesellschaft ein und stehen daher linken Projekten und Bewegungen offen und solidarisch gegenüber.
Jede*r, der oder die sich der Skinheadszene verbunden oder zugehörig fühlt und sich mit diesem Selbstverständnis identifizieren kann, kann uns gerne kontaktieren und ist darüber hinaus eingeladen sich bei Interesse bei uns einzubringen.

Wir sind das kurze Haar in der Suppe – No war but class war! Sozialismus oder Barbarei!