Unpolitisch sein heißt: Politisch sein, ohne es zu merken.“ – Rosa Luxemburg

Wir, RASH Leipzig, verstehen uns als Zusammenschluss linksgerichteter Skins und somit als Teil eines international agierenden Netzwerks. Unser Hauptaugenmerk gilt hierbei der (kultur)politischen Auseinandersetzung inner- und außerhalb der Skinheadszene mittels der Organisation von Konzerten, Vorträgen und sonstigen Veranstaltungen auf Grundlage der konsequenten Ablehnung jeglicher Ungleichwertigkeitsvorstellungen, sozialer Konstrukte sowie der kapitalistischen Gesellschaftsordnung mitsamt ihren Produktionsverhältnissen und dem ihr innewohnenden Wertesystem.
Für uns erschöpft sich das Skinhead-Dasein nicht am bloßen, auf den multiethnischen Wurzeln der Subkultur fußenden Antirassismus, welcher szeneintern ohnehin allgegenwärtig durch äußerst fragwürdige Doppelstandards verwässert wird. Vielmehr gilt es sich gegen das System als solches, welches alltäglich Rassismen und andere Widerlichkeiten zugunsten der Profiteure desselbigen reproduziert, zu positionieren. Eine Szene, die sich als vermeintlich renitent inszeniert, allerdings in weiten Teilen nicht über den Mikrokosmos der Ballermann-Mentalität à la „Ficken, Saufen, Oi!“ hinauszukommen vermag sowie die Konsumkultur der Mehrheitsgesellschaft in einer ihr zugewiesenen Nische adaptiert, ist weit davon entfernt die herrschenden Verhältnisse infrage zu stellen, sondern ist schlicht ein Teil dessen. Da hilft letztlich auch nicht das abertausendste zur Schau gestellte „ACAB“ oder sonstiges pseudooppositionelles Gehabe. Unter dem Deckmantel des vermeintlich „Unpolitischen“ eröffnen sich indes rechte Erlebniswelten, innerhalb derer problemlos antifaschistische Mindeststandards umgangen werden können. Wir fordern daher eine klare Stellung gegenüber rechten wie rechtsoffenen Positionen zu beziehen, als auch damit einhergehend einen konsequenten Antifaschismus zur Praxis zu machen – in der Skinheadszene und darüber hinaus. Das heißt auch jeglichem indifferenten Mist – sprich antirassistische und antifaschistische Standpunkte beanspruchen zu wollen, während Bands, Locations oder Crews, die ebenjene zumeist nur als Lippenbekenntnisse verstehen, abgefeiert werden – eine klare Absage zu erteilen. Weiterhin ist es in unseren Augen widersinnig sich unentwegt auf die Herkunft aus der „Working Class“ und den hiermit verbundenem Stolz zu berufen und dadurch implizit ein Klassenbewusstsein zu artikulieren, dieses durch und durch politische Statement jedoch zu entpolitisieren. Wir verwehren uns einer solchen Entpolitisierung klar und sind uns dessen bewusst, dass nichts, was ist, unpolitisch sein kann. Inwiefern darüber hinaus ein solcherart Stolz auf die „Working Class“ unter den derzeitigen Bedingungen der kapitalistischen Verwertungslogik, die Mensch, als auch Tier zu Produktionsgütern degradiert, überhaupt noch gerechtfertigt ist, darf angezweifelt werden. Dies ist insbesondere dann der Fall, wenn sich der Stolz einzig darin begründet, über ein (gesichertes) Arbeitsverhältnis zu verfügen, während die immer prekärer werdende Lage der „Working Class“, also primär der Lohnarbeiter_innen und Erwerbslosen, in keiner Weise von Interesse ist.
Eine Gesellschaft, in der demolierte Filialenscheiben und brennende Autos in der öffentlichen Wahrnehmung über eine größere Gewichtung zu verfügen scheinen als Menschenleben, in welcher der Mensch aufgrund seiner ökonomischen Nützlichkeit sowie seiner Herkunft selektiert und illegalisiert wird, in der Uniformen den Weg zur Willkür ebnen, wo Freiheit der geglaubten Sicherheit weichen muss und einzig das Primat des wirtschaftlichen Wachstums zählt, ist schlichtweg gescheitert. Ein Bewusstsein dafür zu schaffen, dass Subkulturen schlussendlich auch Teil ebendieser Gesellschaft samt ihrer Mechanismen sind, erachten wir als wichtig, um nicht dem Irrglauben idyllischer Parallelgesellschaften zu verfallen. Darum möchten wir (nicht nur) innerhalb der Skinheadszene einen Raum für emanzipatorische Vorstellungen des gemeinschaftlichen Zusammenlebens schaffen. Speziell für die von einem Männlichkeitskult durchdrungene Skinheadszene bedeutet dies vorrangig, dass sexistische, antifeministische, homo- und transphobe Einstellungen keine Plattform erhalten, ebenso wie entgegen dem anhaltenden Trend keine chauvinistischen, nationalistischen und reaktionären Tendenzen jemals tolerierbar sind. Wer nun meint, all dies mithilfe der wissenschaftlich ohnehin kaum haltbaren Extremismusdoktrin, respektive stumpfer „Good night any side“-Rhetorik diskreditieren zu wollen, hat sich mit den herrschenden Verhältnissen längst arrangiert und ist selbst Teil des Problems.
Wir treten hingegen für eine befreite und solidarische Gesellschaft selbstbestimmter Individuen ein und stehen daher progressiven, undogmatischen linken Projekten und Bewegungen offen und solidarisch gegenüber.
Jede_r, der_die sich der Skinheadszene verbunden oder zugehörig fühlt und sich mit diesem Selbstverständnis identifizieren kann, kann uns gerne kontaktieren und ist darüber hinaus eingeladen sich bei Interesse bei uns einzubringen.

Wir sind das kurze Haar in der Suppe – No war but class war!